Über 82 Mio. Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die Flüchtlingsströme halten an. Damit ist die Zahl der Menschen, die weltweit vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, so hoch wie nie zuvor.

Bis Ende März 2022 sind laut Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) rund 4 Millionen Menschen aus der Ukraine in Folge des Krieges mitten in Europa und aufgrund der Angriffe des russischen Militärs im Lande geflohen. Die Gesamtzahl der Kriegsflüchtlinge hat sich seit Kriegsbeginn, dem 24. Februar 2022, deutlich erhöht. Polen hat von allen Kriegsflüchtlingen mit über 2,7 Millionen Menschen mehr als die Hälfte aufgenommen. Nach Ungarn flohen bereits über 350.000 Menschen. Weitere Aufnahmeländer sind Moldawien, die Slowakei und Rumänien.

In Deutschland sind seit Kriegsbeginn fast 300.000 Einreisen von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine dokumentiert. Eine genaue Zahl gibt es nicht. Denn die ukrainischen Staatsbürger können visumsfrei in die EU einreisen und sich im Schengen-Raum bis zu 90 Tage frei bewegen. Menschen, die aufgrund der Richtlinie der Europäischen Union über den vorübergehenden Schutz in die EU einreisen durften, werden auch nicht systematisch registriert. Das Bundesministerium des Innern und für Heimat hat eine Rechtsverordnung erlassen, wonach aus der Ukraine Vertriebene im Bundesgebiet vorübergehend vom Erfordernis eines Aufenthaltstitels befreit werden, vgl. hierzu auch ausführlich die Webseite des Bundesministeriums des Innern und für Heimat www.germany4ukraine.de

Viele Menschen setzen eigene Fähigkeiten und interkulturelle Kompetenzen ein, um die Geflüchteten willkommen zu heißen. Dieses großartige Engagement ist enorm wichtig für das zwischenmenschliche Zusammenleben und damit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Hieraus ergeben sich insbesondere folgende Fragen:

  • Wie hat die Politik ihre Erfahrungen insbesondere aus 2015 in der aktuellen Krise umgesetzt?
  • Wie schnell wurden die notwendigen Rahmenbedingungen für einen humanitären Aufenthalt geschaffen, um Unsicherheiten bei geflüchteten Menschen und Engagierten gleichermaßen abzubauen?
  • Wie und durch welche Anlaufstellen haben die Geflüchteten bei ihrer Ankunft über (digitale) lnformationen und Hilfsangebote, Fragen zur Unterkunft oder ärztlichen Versorgung erfahren?
  • Wie können ankommende Menschen von Ehrenamtlichen gut unterstützt werden, ohne sie dabei zu bevormunden?
  • Wie können wir neue Weichen für eine Heimat mit Zukunft für Alle stellen?

Die Stiftung freut sich daher sehr über die vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten ihrer Stipendiatinnen und Stipendiaten im Bereich der Migration, Integration und Völkerverständigung, gerade auch jetzt bei der Ukraine-Hilfe. Blicken wir auf über 40 Jahre zurück: Ende der 70er Jahre nahm Deutschland 40.000 sog. „boat people“ aus Südostasien im Rahmen einer humanitären, global ausgerichteten Flüchtlingshilfe auf. Diese humanitäre, global ausgerichtete Hilfsaktion wurde ein wichtiger Eckpfeiler in der Innen- und Außenpolitik. Über Ihr Schicksal und ihre Erfahrungen haben 1985 ehemalige Indochina-Flüchtlinge („Boat-People“) berichtet. Die Dr. Hermann Schmitt-Vockenhausen-Stiftung hat diese Lyrik- und Kurzprosatexte im Buch „Weckt die Vergangenheit noch Sehnsucht, Wehmut und Alpträume?“ veröffentlicht und gefördert. Hierzu hat der seinerzeitige deutsche Vertreter des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen René van Rooyen geschrieben:

„Die Gedichte und Prosastücke gehen unter die Haut. In einer faszinierenden Unmittelbarkeit bringen sie die Erinnerungen an das Geburtsland zu Ausdruck, berühren die Umstände der Flucht und reflektieren gleichzeitig das Erleben der neuen Umwelt in Deutschland“.

Zum Buch „Weckt die Vergangenheit noch Sehnsucht, Wehmut und Alpträume?“